Praxis
Praxisbeiträge
Der erste Beitrag dieses Bereichs behandelt die Aufgabe, mit der fast jede Heimwerkstatt beginnt: ein Regal aufhängen. Die Arbeit wirkt einfach, doch gerade hier passiert am häufigsten etwas: Der Bohrer trifft eine Leitung oder ein Rohr, der Dübel hält nicht, das Regal hängt schief. Gehen Sie den Ablauf vollständig durch, dann hält das Regal und die Wand bleibt heil.
Eine halbe Stunde mehr für Anzeichnen und Prüfen der Wand ist immer günstiger als ein misslungenes Bohrloch – und erst recht als ein Loch in einer Stromleitung.
Was Sie vorab bereitlegen
- Das Regal mit den passenden Befestigungsteilen und, falls vorhanden, die Herstelleranleitung: Dort steht, für welche Last das Regal ausgelegt ist.
- Eine Bohrmaschine und einen Bohrer, der zum Wandbaustoff passt, sowie Dübel und Schrauben in der richtigen Größe.
- Wasserwaage, Maßband und Bleistift zum Anzeichnen.
- Eine Schutzbrille und beim Bohren über Kopf zusätzlich eine standfeste Stehleiter.
- Einen Staubsauger oder ein feuchtes Tuch, um Bohrstaub sofort aus dem Loch und vom Boden zu entfernen.
Stelle wählen und Wand einschätzen
Legen Sie fest, wo das Regal hängen soll, und überlegen Sie, was in der Nähe in der Wand verlaufen könnte. Setzen Sie keine Bohrlöcher direkt über oder unter Steckdosen und Schaltern und nicht auf gedachten Linien zwischen ihnen: Leitungen werden oft so verlegt, eine Garantie gibt es aber nicht. Achten Sie auch auf Heizungs- und Wasserrohre in der Nähe.
Fiktives Beispiel: Das Regal sollte genau über der Steckdose am Schreibtisch hängen. Nach kurzem Überlegen wurde es zur Seite versetzt, weg von der Linie, auf der eine Leitung verlaufen könnte.
Prüfen, was in der Wand steckt
Gibt es einen Leitungsplan oder Unterlagen zur Renovierung der Wohnung, sehen Sie hinein. Ein Leitungssucher hilft, gibt aber keine volle Gewissheit. Bleiben Zweifel, wählen Sie eine andere Stelle oder fragen Sie eine Elektrofachkraft.
Fiktives Beispiel: An der gewählten Stelle gibt das Ortungsgerät ein unklares Signal. Das Regal wird auf einen benachbarten Wandabschnitt ohne Signal verlegt, und erst dann wird angezeichnet.
Wandbaustoff bestimmen
Vom Baustoff hängt ab, welchen Bohrer und welchen Dübel Sie brauchen. Beton und Ziegel bohrt man mit einem Steinbohrer, Gipskarton verlangt spezielle Hohlraumdübel. Eine Probebohrung mit einem dünnen Bohrer an unauffälliger Stelle hilft: Farbe des Bohrmehls und Widerstand verraten das Material.
Fiktives Beispiel: Aus dem Probeloch kommt graues Bohrmehl, und der Bohrer dringt nur schwer ein. Die Wand ist also aus Beton, und dafür wird ein Dübel für dichte Baustoffe gewählt.
Mit der Wasserwaage anzeichnen
Halten Sie das Regal oder seine Halterung an die Wand, richten Sie es mit der Wasserwaage aus und markieren Sie die Punkte mit Bleistift. Messen Sie den Abstand zwischen den Markierungen mit dem Maßband nach und vergleichen Sie ihn mit der Halterung. Markieren Sie die Punkte zusätzlich mit einem Kreuz, damit der Bohrer nicht abrutscht.
Fiktives Beispiel: Nach dem Anzeichnen zeigt die Wasserwaage eine leichte Schräge. Eine Markierung wird vor dem Bohren korrigiert – nicht erst, wenn schon Löcher in der Wand sind.
Löcher bohren
Setzen Sie die Schutzbrille auf. Halten Sie die Bohrmaschine gerade und senkrecht zur Wand, beginnen Sie mit niedriger Drehzahl und steigern Sie sie dann. Das Loch sollte etwas tiefer sein als der Dübel lang ist; viele markieren die Tiefe mit einem Streifen Malerkrepp am Bohrer.
Fiktives Beispiel: Der Bohrer rutscht auf glatter Fliese nach unten weg. Die Arbeit wird unterbrochen, ein Stück Malerkrepp auf den Punkt geklebt und mit niedriger Drehzahl weitergebohrt.
Staub entfernen und Dübel setzen
Bohrstaub im Loch verringert den Halt, daher wird er ausgeblasen oder abgesaugt. Der Dübel sollte straff sitzen; bei Bedarf wird er mit leichten Hammerschlägen vorsichtig eingetrieben, bis er bündig mit der Wand abschließt.
Fiktives Beispiel: Der Dübel sitzt locker im Loch. Das Loch ist also zu groß geraten, und es wird ein größerer Dübel gewählt oder etwas versetzt neu gebohrt.
Regal befestigen und Belastung prüfen
Ziehen Sie die Schrauben an, ohne sie zu überdrehen, hängen Sie das Regal ein und kontrollieren Sie es noch einmal mit der Wasserwaage. Belasten Sie es schrittweise und nie stärker, als in der Anleitung von Regal und Befestigung angegeben. Schwere Dinge stellen Sie näher an die Wand.
Fiktives Beispiel: Nach der Montage wird das Regal von oben leicht mit der Hand belastet. Es wackelt nicht – erst dann kommen die Bücher darauf, und nicht gleich der ganze Karton.
Häufige Fehler
- Über einer Steckdose, unter einem Schalter oder auf der Linie dazwischen bohren, ohne an verdeckte Leitungen zu denken.
- Den erstbesten Dübel nehmen, ohne Wandbaustoff und Gewicht des Regals zu berücksichtigen.
- Ohne Schutzbrille arbeiten, besonders beim Bohren über Kopf.
- Nach Augenmaß ohne Wasserwaage anzeichnen und die Schräge danach mit neuen Löchern korrigieren.
- Den Dübel in ein Loch voller Bohrstaub stecken, sodass er schlechter hält.
- Auf einem wackligen Hocker statt auf einer standfesten Stehleiter stehen.
Andere Möglichkeiten
- Für leichte Bilderrahmen und kleine Regale in Mietwohnungen, in denen nicht gebohrt werden darf, eignen sich Befestigungssysteme ohne Bohren; prüfen Sie, für welches Gewicht sie ausgelegt sind.
- Ist die Wand aus Gipskarton und das Regal schwer, suchen Sie eine Stelle über dem Ständerwerk oder überlassen Sie die Montage jemandem, der mit solchen Wänden arbeitet.
- Verlaufen in der Nähe sicher Leitungen oder Rohre, stellen Sie ein Standregal auf: Es braucht keine Löcher und zieht problemlos mit um.
Prüfen Sie sich selbst
- Die Stelle liegt abseits von Steckdosen, Schaltern und Rohren
- Die Wand ist geprüft, Zweifel wegen Leitungen sind ausgeräumt
- Der Wandbaustoff ist bestimmt, Bohrer und Dübel sind passend gewählt
- Mit der Wasserwaage angezeichnet und mit dem Maßband nachgemessen
- Schutzbrille sitzt, die Stehleiter steht sicher
- Bohrstaub aus den Löchern entfernt
- Das Regal ist befestigt und mit der Wasserwaage kontrolliert
- Die Belastung liegt innerhalb der Herstellerangaben
Beitragskatalog für deutschsprachige Leserinnen und Leser
In diesem Katalog sammeln sich nach und nach eigenständige Beiträge zu kleinen Reparaturen: zu Werkzeug, Befestigung, Türen, Wasserhähnen und Möbeln. Sie entstehen eigens für die deutsche Version und berücksichtigen, wie Wohnungen, Wände und Sanitärinstallationen im deutschsprachigen Raum typischerweise aussehen – vom Altbau mit Putz auf Mauerwerk bis zur Trockenbauwand in der Mietwohnung.
Derzeit enthält der Katalog einen Beitrag – den oben. Weitere Beiträge erscheinen hier, sobald sie fertig sind.
Woran die Redaktion arbeitet
- Dübel im Altbau: was tun, wenn der Putz bröselt und das Loch ausreißt.
- Gardinenstange oder Vorhangschiene sicher montieren – auch über dem Fenstersturz.
- Dreh-Kipp-Fenster klemmt: Beschläge reinigen, ölen und vorsichtig nachstellen.
- Silikonfuge an Dusche und Wanne: wann erneuern und wie die alte Fuge entfernen.
- Tropfende Armatur: was Sie nach dem Absperren des Wassers selbst tun können.
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- Fragen
Kurze Antworten zu Werkzeug und Befestigung, Wasserhähnen, Türen und Möbeln sowie zur Sicherheit beim Reparieren.
- Glossar
Glossar der Werkstatt: Dübel, Schrauben, Anker, Bit, Wasserwaage, Stehleiter, Absperrventil, PSA.
- Sammlungen
Lesewege: die erste Wohnung, ein Bad ohne Lecks, Reparieren gemeinsam mit Jugendlichen.
Quellen
- Behördliche Merkblätter zur Sicherheit im Haushalt
- Bedienungsanleitungen der Werkzeughersteller
Die Hinweise beschreiben den allgemeinen Arbeitsablauf zum angegebenen Stand. Wände, Sanitärinstallationen und Möbel sind in jedem Haushalt anders, und jedes Werkzeug und jedes Befestigungsmittel hat seine eigene Anleitung: Weicht sie von unserem Text ab, gilt die Anleitung.